| |
Die
Stille Frau
Kerstin Cmelka und Adrian Williams
3.2.2008 – 30.3.2008
Kornhäuschen
freut sich DIE STILLE FRAU eine Ausstellung von Kerstin Cmelka und Adrian
Williams präsentieren zu können.
Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf eine lebensgroße Puppe,
die der österreichische Künstler Oskar Kokoschka 1918 als Abbild
und Ersatz für seine Geliebte Alma Mahler anfertigen ließ.
Er nannte die Puppe die stille Frau.
Alma Mahler war bei ihren Zeitgenossen bekannt für ihre Schönheit
und Intelligenz. Sie war Ehefrau des Komponisten Gustav Mahler, des Architekten
Walter Gropius und des Schriftstellers Franz Werfel. Von 1912 bis 1914
hatte sie eine turbulente Liebesbeziehung mit Oskar Kokoschka. Nach Scheitern
dieser Beziehung versuchte Kokoschka seine Geliebte durch eine Nachbildung
zu ersetzen. Über Monate korrespondierte er mit der Puppenmacherin
Hermine Moos über die Konstruktion der Puppe. Moos fertigte die Puppe
anhand seiner zahlreichen Zeichnungen und Beschreibungen an. Groß
war seine Enttäuschung als er die Puppe erhielt. Sie entsprach nicht
im Geringsten seiner Anforderungen, doch entschloss er sich, die Puppe
zu behalten. Es folgten viele Werke, die Kokoschka nach dem Fetisch schuf.
Sie war Ausgangspunkt für viele Anekdoten und Gerüchte, so soll
er sie als seine Begleiterin mit in die Oper genommen haben.
Alma Mahler Fetisch Puppe lautet der Titel von Kerstin Cmelkas
Arbeit. Sie zeigt eine lebensgroße Puppe auf einem Sessel sitzend.
Cmelka hatte ihrerseits die Künstlerin Adrian William beauftragt,
eine Kopie der Alma Mahler Puppe anzufertigen. Als Vorlagen dienten Fotos
des Originals sowie Kopien der Briefe zwischen Kokoschka und der Puppenmacherin.
Ähnlich wie Kokoschka, der in der Puppe einen Ersatz für seine
Geliebte suchte, versucht Cmelka mit ihrer Puppe das zerstörte Original
zu ersetzen. In ihrer Arbeit thematisiert Cmelka die Frage von Original
und Kopie sowie die Bedeutung der von der Gesellschaft festgelegten Rollen
von Mann und Frau.
Die Rolle der Puppenmacherin in dieser Geschichte darf nicht unterschätzt
werden. Obwohl Hermine Moos detaillierte Anweisungen von Kokoschka erhielt,
musste sie seine Wünsche interpretieren. Dies gab ihr eine kreative
Rolle bezüglich des Designs und der Konstruktion. Den Auftrag für
die Anfertigung ihrer Version der Alma Mahler Puppe scheint Cmelka mit
Absicht einer Künstlerin anstelle einer professionellen Puppenmacherin
gegeben zu haben.
Die Künstlerin Adrian Williams ist im Kornhäuschen zum einen
präsent durch die Anfertigung der Alma-Mahler-Fetischpuppe, sie zeigt
gleichzeitig aber auch ihre eigenen Arbeiten. In ihren Skulpturen, Performances
und Installationen beschäftigt sie sich mit überlieferten Erzählungen
und Anekdoten. Für die Ausstellung konzipierte Williams zwei neue
Arbeiten die sich um die Themen zwischenmenschliche Kommunikation drehen.
In ihrer ersten Arbeit spielt Williams auf eine angeblich wahre Begebenheit
an. Französische Kommunisten versteckten und transportierten geheime
Nachrichten zwischen den Blättern einer Artischocke. Die stumme Pflanze
wie auch die Puppe scheinen Informationen und Geheimnisse in sich zu bergen,
die dem Betrachter nicht zugänglich sind.
Williams zweite Arbeit ist eine Kurzgeschichte über zwei Frauen,
die sich ohne es zu wissen die gleiche Wohnung teilen. Die von einem zwielichtigen
Vermieter in zwei provisorische Hälften geteilte Wohnung zwingt beide
Frauen in eine Abhängigkeit die zu einer Reihe von Problemen und
Missverständnissen führt.
Die Ausstellung DIE STILLE FRAU findet parallel zur Ausstellung Oskar
Kokoschka – Bilder zur Weltliteratur statt, welche noch bis 24.
Februar 2008 in der Kunsthalle Jesuitenkirche in Aschaffenburg präsentiert
wird.
Kerstin Cmelka wurde 1974 in Mödling, Österreich,
geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Von 1999-2005 studierte sie an
der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule
in Frankfurt am Main. Ausstellungen im In- und Ausland beinhalteten Moscow
Biennale for Contemporary Art (Moskau)), Busan Biennale 2006 (Busan, Korea),
Kunstraum NÖ (Wien), Dresdener Bank (Frankfurt am Main), und Lewis
Glucksman Gallery (Cork).
Adrian Williams wurde 1979 in Oregon, USA, geboren und
lebt und arbeitet n Frankfurt am Main. Sie studierte an der Cooper Union
for Science and Art, New York, der Hochschule für Bildende Künste
– Städelschule in Frankfurt am Main. Ausstellungen im In- und
Ausland beinhalteten Nassauischer Kunstverein (Wiesbaden), Marburger Kunstverein
(Marburg), Beursschouwburg (Brüssel) Silverman Gallery (San Francisco),
Voges und Partner Galerie (Frankfurt).
Sie ist New York Stipendantin der Hessischen Kulturstiftung 2007.
|
|