CIRCLES
Mariia Andreeva, Anthony D. Green, James Sibley
Kuratiert von Neue Alte Brücke und Matt Williams
Eröffnung: Sonntag, 4. Oktober um 18 Uhr
4. Oktober – 8. November 2026

Kornhäuschen und Glashaus Arkardenhof Kunsthalle Jesuitenkirche freuen sich über die Ausstellung Circles.
Am Bauhaus bildeten Kreis, Quadrat und Dreieck ein grundlegendes Vokabular zur Erforschung der Beziehungen von Farbe, Komposition und Raum. Ende der 1980er-Jahre bauten David und Gregory Chudnovsky in ihrer Wohnung in Manhattan einen Supercomputer, um Pi zu berechnen – jene unendliche, nicht periodische Zahl, die durch die Geometrie des Kreises definiert ist. In beiden Fällen eröffnet eine elementare Form Fragen nach Komplexität, Information und Möglichkeit.
Circles untersucht diese Beziehungen anhand von drei Arbeiten an zwei Ausstellungsorten in Aschaffenburg. Das Kornhäuschen besteht aus zwei kubischen Galerieräumen, die durch einen Portikus mit dorischen Säulen voneinander getrennt sind. Im Innenhof der Kunsthalle Jesuitenkirche steht ein gläserner Pavillon mit Satteldach. Quadrate und Dreiecke sind in die Architektur beider Orte eingeschrieben. In ihnen nimmt das wiederkehrende Motiv des Kreises die Form von Projektion, Siebdruck und Installation an und verändert dabei zwischen Darstellung und Abstraktion seine Größenordnung und Materialität.
Zwei Kodak-Carousel-Projektoren, die in einem der Galerieräume des Kornhäuschens übereinander angeordnet sind, führen die Diasequenzen von James Sibleys Double Eclipse (2026) zusammen. Der eine gibt das erste erfolgreiche Foto einer totalen Sonnenfinsternis wieder, das Johann Julius Friedrich Berkowski 1851 an der Königlichen Sternwarte in Königsberg aufnahm. Der andere zeigt kreisförmige Objekte, die der Künstler in seinem Schlafzimmer gesammelt hat. Auf dieselbe Projektionsfläche geworfen, überlagern und trennen sich die Sequenzen, während die Dias weiterlaufen. Ein Himmelsereignis und die Gegenstände eines Zimmers fallen für einen kurzen Moment zusammen. Enorme Unterschiede in Maßstab, Entfernung und Zeit finden durch ihre gemeinsame Geometrie vorübergehend eine Entsprechung.
In der gegenüberliegenden Galerie bilden vier im Siebdruckverfahren bedruckte Leinwände Anthony D. Greens Absolute Redundancy (2026), die zu einem einzigen Zwei-mal-zwei-Raster zusammengefügt sind. Ausgehend von einer Folge von Zeichnungen kehren Fragmente eines Gesichts in einem Farbverlauf wieder. Augen, Nasen und Münder werden innerhalb einer visuellen Sprache, die sich aus Werbung, Computergrafik und digitalen Benutzeroberflächen speist, reduziert und neu angeordnet. Ein begrenztes Vokabular an Motiven erzeugt unterschiedliche Kompositionen und ermöglicht es denselben Elementen, ihre Position zu verändern und unterschiedliche Lesarten anzunehmen.
Im Glashaus nimmt Mariia Andreevas Information (2025) den gläsernen Pavillon ein, auf dessen Boden 800 Gramm rotes, grünes und blaues Konfetti verteilt sind. Die kreisförmigen Partikel verweisen auf die dicht gruppierten Farbmosaike der Autochromplatte, bei der sich winzige Farbelemente optisch zu einem fotografischen Bild verbinden. Hier werden diese Bestandteile voneinander getrennt, vergrößert und in den physischen Raum zurückgeführt. Jede Scheibe bleibt als eigenständiges Element erhalten, während ihre Ansammlung das Potenzial eines Bildes bewahrt, das sich niemals vollständig auflöst.
In der gesamten Ausstellung durchläuft der Kreis unterschiedliche Maßstäbe und Systeme der Darstellung. Seine Geometrie bleibt konstant, während sich Materialität und Bedeutung verändern. Der umfangreiche Einsatz von Glas an beiden Ausstellungsorten führt eine weitere optische Bedingung ein. Wie eine fotografische Linse rahmen und vermitteln diese transparenten Oberflächen den Blick und bewahren zugleich eine physische Grenze zwischen Betrachtenden und Werk. Was als Kreis beginnt, weitet sich zu Beziehungen zwischen Objekt und Bild, Körper und Landschaft, Information und Materie aus. Die Form bleibt dieselbe.
Kornhäuschen
Von außen einsehbar
Webergasse am Schloss
63739 Aschaffenburg
Glashaus / Arkadenhof
Kunsthalle Jesuitenkirche / Christian Schad Museum
Pfaffengasse 26
63739 Aschaffenburg