mamaliga_mamelonen (in memoriam)
Anette Haas
Silen, Satyr, Hermes und Fortuna
Markus Wirthmann
24.1. - 21.3.2026
Eröffnung am 24. Januar um 18.00
Die Museen der Stadt Aschaffenburg gemeinsam mit dem Kornhäuschen laden herzlich zur Eröffnung im Arkadenhof der Kunsthalle Jesuitenkirche ein.
Beide Ausstellungsorte sind an diesem Abend geöffnet.
Kornhäuschen
mamaliga_mamelonen (in memoriam)
Anette Haas
Mit mamaliga_mamelonen (in memoriam) zeigt Anette Haas im Kornhäuschen eine zweiteilige Videoloop-Projektion.
mamaliga: Die Videoprojektion zeigt die sich langsam bewegende, sich aufwölbende Oberfläche einer gelbbreiigen Masse. Eine anwachsende Blase stößt schließlich - über eine sich bildende Öffnung - dampfende Luft aus. Danach senkt sich die Oberfläche ab und beginnt bald darauf sich erneut aufzuwölben.
mamelonen: In der Projektion bewegt sich ein Vorhang im Luftzug. Allmählich wölbt sich der Stoff im offenen Fensterrahmen wie eine angesaugte Membran. Das Sonnenlicht zeichnet ein helles Feld auf den Vorhang. An dessen unterer Kante erscheinen markante, schattengeformte Erhebungen.
mamaliga_mamelonen ist eine Bildstudie zu alltäglichen Vorgängen und deren Verwandlungen. Die von Anette Haas geformten Bildsequenzen öffnen das unmittelbar Sichtbare und Bekannte für weitreichende Assoziationen und Erinnerungen.
Mit dem Luftzug im Bild wird die Empfindung des Atmens gegenwärtig: Der in den Fensterrahmen gesaugte Vorhang erinnert an ein Einatmen, die Öffnung einer platzenden Blase an einen ausatmenden Mund.
Mamaliga ist der Name eines mit Maismehl gekochten Breis und gilt als rumänisches Nationalgericht.
Mamelonen sind Erhebungen an jungen Schneidezähnen, die sich mit der Zeit abschleifen.
In memoriam Gertrud und Richard Haas.

Glashaus
Silen, Satyr, Hermes und Fortuna
Markus Wirthmann
Inspiriert von Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend in Aschaffenburg zeigt Markus Wirthmann eine Installation mit dem Titel Silen, Satyr, Hermes und Fortuna im Glashaus des Arkadenhofs der Kunsthalle Jesuitenkirche.
Prequel
Ich wurde 1963 in Aschaffenburg geboren. Im selben Jahr gelangten die vier Freunde Silen, Satyr, Hermes und Fortuna in Form von Repliken antiker Gartenskulpturen aus dem Garten von Schloss Thürnhofen in Feuchtwangen in den Aschaffenburger Pompejanumsgarten. Von hier aus blickten sie lange Jahre auf den Main und beobachteten mich beim Trainieren im Kajak, Baden oder Schwarzangeln. Ich kenne sie schon ewig: im Sommer als Beobachter am Main und im Winter im Holzverschlag. Wir sind sozusagen per Du. Mitte der Achtzigerjahre entzog ich mich ihren Blicken als ich Aschaffenburg in Richtung Norden verließ.
Sequel
Ich wurde eingeladen, eine künstlerische Arbeit im Glashaus zu erarbeiten, und die steinernen Freunde meiner Kindheit und Jugend sind auch dabei. Silen, Satyr, Hermes und Fortuna befinden sich auf einer Umlaufbahn um das Glashaus – wenn meine Informationen zutreffen, dann in gleichen Abständen auf den Diagonallinien des quadratischen Glashauses. Bedrohlich! Zumindest formal und architektonisch. Man kann keinen Mucks machen, nicht einfach Kunst aufhängen – in einem Glashaus sowieso nicht ohne Paranoia und die Vorstellung, dass die zu Stein gewordenen Wächter jeden im Glashaus mit ihren Blicken ebenfalls in Stein verwandeln.
Da hilft nur ein Bannfluch, eine Neidfratze oder eine Abwehrbeschwörung. Oder das genaue Gegenteil: eine Einladung zu Spiel und Tanz. Oder beides. (Markus Wirthmann 2026)

Anette Haas (*1961) lebt und arbeitet in Berlin, Kingston NY und Hannover, wo sie an der Fakultät für Architektur und Landschaft, Leibniz Universität Hannover, Kunst und Gestaltung lehrt. Ihre Werke wurden international ausgestellt und wiederholt ausgezeichnet, u. a. mit dem Villa Massimo Stipendium in Rom.
Markus Wirthmann (*1963) lebt und arbeitet in Berlin. Von 1998-04 Künstlerischer Mitarbeiter an der UdK Berlin, seit 2006 Lehre an verschiedenen Universitäten und Hochschulen, unter anderem an der UdK Berlin, CDK Hangzhou (VR China), HfBK Dresden. Verschiedene Preise und Stipendien (Cusanuswerk, Worpswede, Senatsstipendium Berlin, Dix.Preis 2003, KWW-Stipendium Schöppingen, Amherst College, Amherst, Massachusets). Ausstellungen im In- und Ausland.