Fotos: Oliver Sommer

 

I been here for years

Johannes Sturm 

 

Über Jahre hinweg beobachtet man das Ausbrennen der Stadt. Johannes Sturm kommentiert in seiner ersten Einzelausstellung I been here for years den Verfall einer Subkultur. Nach und nach verschwinden Bars, Clubs, sowie soziokulturelle Anlaufziele. Verbote und Einschränkungen lassen das Nachtleben ermatten. Doch zehrt die Kreativität von der Magie der Nacht.

An der Schwelle zwischen gestern und heute, gegen sechs Uhr morgens, kam es vor dem Kornhäuschen zu einem Brand. Das Feuer ging auf die Kunstinstitution über und drang seitlich in das Gebäude ein. Zurück bleibt ein Ort der Zerstörung, den der Künstler zum Anlass nimmt, um auf das hinzuweisen, was von der Nacht übrig blieb.

Die Ausstellung dokumentiert ein Gefühl, einen Blick in den Spiegel, gezeichnet von der Nacht. Ein Funke Hoffnung, der Gruß an der Wand. Klapprahmen fixieren Erinnerungen, von Plakaten keine Spur. Die Einprägungen bilden ein Zeugnis und ersetzen Austauschbarkeit. Bleistift auf Papier wird radiert und manifestiert. Der Geruch von Brand und Feuer, das Geräusch von Gehen auf Scherben, der Ausstellungsraum bildet zugleich Ruine und Neubeginn.

I been here for years ist eine Antwort in Asche.

​Text von Louisa Wombacher

 

Johannes Sturm (*1994 in Aschaffenburg) studierte von 2017-2021 an der HFBK Hamburg. Er lebt und arbeitet in Offenbach. Ausstellungen und Publikationen: DirecTV21 (Klasse Büttner), 2021 / Pfeil Magazine #13 – Mother, Montez Press, 2020.